5-Punkte-Paket für faire Chancen und sozialen Zusammenhalt

„Wir müssen die Chancen der Zuwanderung sehen und den sozialen Zusammenhalt fördern“, sagt AK Präsident Herbert Tumpel. Rund 1,5 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben in Österreich.

Kenntnisse, die Migranten mitbringen, besser nutzen

Eine neue Studie der AK zu den Chancen und Problemen von MigrantInnen auf dem Arbeitsmarkt zeigt: Die Beschäftigten mit Migrationshintergrund bringen viele Kenntnisse und Fertigkeiten mit. Aber nur ein Teil dieser Kompetenzen wird wirklich genutzt. „Hier müssen wir ansetzen. Wenn ein Ingenieur oder eine Ärztin als Hilfsarbeiter oder Pflegekraft eingesetzt wird, ist das eine Vergeudung von Kenntnissen und Fähigkeiten, die wir uns nicht mehr leisten können.“

Tumpel fordert ein 5-Punkte-Paket für faire Chancen und sozialen Zusammenhalt: schnellere, gezielte Anerkennung von im Ausland erworbenen Kenntnissen. ZuwanderInnen sollen auf ihre persönliche Situation maßgeschneiderte Beratung und eine Einschätzung ihrer Kompetenzen bekommen. Berufliche Bildung und Weiterbildung müssen dies ebenso ergänzen wie ein Schulsystem, das gleiche Chancen für alle Kinder bietet und ein gezieltes Vorgehen gegen Lohn- und Sozialdumping. „Damit sich schnell etwas ändert braucht es aber auch ein besser abgestimmtes Vorgehen von Bund, Ländern und Gemeinden sowie die aktive Mitarbeit der Unternehmen“.

33% werden unter ihrem Qualifikationsniveau eingesetzt

MigrantInnen in Wien sprechen meist mehrere Sprachen, viele haben akademische Abschlüsse. Aber 33 Prozent werden weit unter ihrem Qualifikationsniveau eingesetzt. Zum Vergleich: 11 Prozent der Beschäftigten mit österreichischen Wurzeln arbeiten unter ihrem Qualifikationsniveau.

Zwei Drittel haben eine Ausbildung im Ausland abgeschlossen. Aber weniger als ein Fünftel der ZuwanderInnen mit Bildungsabschluss im Ausland beantragt die Nostrifikation der Ausbildung. Die Regeln dafür sind unübersichtlich und viele Ausbildungen können gar nicht nostrifiziert werden. Auch Nostrifizierung führt nur in praktisch jedem zweiten Fall zu tatsächlich ausbildungsadäquatem Einsatz auf dem Arbeitsmarkt in Österreich.

Fast 60% verdienen höchstens 1.400 Euro netto

Das wirkt sich auf das Einkommen von MigrantInnen aus: Fast 60 Prozent der MigrantInnen kommen bei einer Vollzeitarbeit auf einen Verdienst von höchstens 1.400 Euro netto. Bei den Beschäftigten ohne Migrationshintergrund sind es knapp 20 Prozent. Und auch die Gefahr arbeitslos zu werden, ist für MigrantInnen höher: In den letzten 10 Jahren waren über 40 Prozent der MigrantInnen zumindest einmal von Arbeitslosigkeit betroffen, unter den Beschäftigten ohne Migrationshintergrund waren es 12 Prozent.

Frauen, die zuwandern, müssen mit doppelter Benachteiligung kämpfen, als Frauen und als Migrantinnen: 36 Prozent der Frauen mit Migrationshintergrund üben eine Hilfstätigkeit aus, unter den Männern mit Migrationshintergrund sind es 20 Prozent. Zum Vergleich: Unter den Beschäftigten ohne Migrationshintergrund üben 4 Prozent der Frauen und 3 Prozent der Männer eine Hilfstätigkeit aus. Die AK will deshalb mehr gezielte Unterstützung für Frauen etwa bei der Wiedereingliederung in den Beruf.

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